Das Dorfgemeinschaftshaus

An den Linderner Pastor Hoffkamp erging im Jahre 1651 ein Dekret, worin die Einrichtung einer Schule für das Kirchspiel gefordert wird. Das Jahr 1651 gilt daher als das Gründungsjahr der Schule für das Kirchspiel Lindern, also auch für die Kinder aus Liener. Unterrichtet wurde im Ratmänner-Spieker auf dem Kirchhof in Lindern, wie es 1674 heißt. Der Pastor Hoffkamp war der erste Lehrer, damals auch Ludimagister genannt.Für die Jungen, auch Wänte genannt, bestand Schulpflicht. Die Mädchen konnten freiwillig am Unterricht teilnehmen. Es gab auch hier um 1900 noch Frauen, die aus ärmlichen Verhältnissen stammten und mit dem Lesen und Schreiben große Schwierigkeiten hatten. Von dem Lehrer Boede liegt noch eine Liste über seine Schüler in der Linderner Schule aus dem Jahre 1700 vor. In dieser Liste wird aber kein Kind aus Liener und Auen-Holthaus erwähnt. Wahrscheinlich wurde zu der Zeit schon in Liener Unterricht erteilt. Lehrer haben auch im 19. Jahrhundert noch mit zusätzlichen Arbeiten, z. B. mit Grasmähen in Holland, fürihren Lebensunterhalt sorgen müssen.
Mit der Erlaubnis zum Schulehalten durch den Generalvikar von Ketteler begann 1713 offiziell das Schulwesen in Liener. Die Einwohner Lieners hatten ein Gesuch an den Generalvikar gerichtet, das wohlwollend beschieden wurde. Unterschrieben wurde der Antrag von Dirk Kleinen, Johann Bußmann, Berendt Remmers, Gerdt Lüken, Heinrich Haneken, Hermann Crueßmann, Gerdt Bußmann, Rofft Oldiges, Wilke Ruwe und Gerdt Grothe.
 

Um 1855 unterrichtete der Lehrer Gerhard Hermann Bruns etwa 45 Kinder. Ein Schulgebäude war zunächst nicht vorhanden. Der Unterricht fand in der Wohnung des jeweiligen Lehrers statt. Unterrichtet wurde auch nur in den Wintermonaten von Allerheiligen bis Ostern. Für den Unterricht im Winterhalbjahr zahlten die Eltern der Kinder im Jahre 1794 10 Rth. Schulgeld. Für Kinder armer Eltern zahlte die Kirchenkasse. Zum Unterhalt des Feuers hatte jedes Kind durch einen mitgebrachten Torf beizutragen.

Der Unterrichtsraum war früher ohne Pult . Die Kinder saßen auf Holzklötzen, später auf Bänken ohne Lehne. Auf dem Schoß hielten die Schüler ein Brett, auf das die Schreibtafel gelegt wurde. Das Brett war die sogenannte Schrieftafel, ein hölzerner Kasten, 35 cm lang, 25 cm breit und 5 cm tief. Das Rückenbrett lief in eine Art Handgriff aus. Dieser Kasten, der zum Tragen und Einpacken der Schulsachen benutzt wurde, mußte die fehlenden Schreibtische ersetzen. Zwei solcher Kästen sind

In Liener wurde das erste Schulgebäude im Jahre 1827 für 35 Kinder im Fachwerkbau errichtet. Die Baukosten wurden mit 300 Rth. veranschlagt. Der Finanzierungsplan sah folgendermaßen aus:

„Heinrich Thyen stellte 4 Scheffelsaat zur Verfügung, die Großherzogliche Kammer gab 96 Rth. Die restlichen 2/3 wurden durch die Verpachtung von Grundstücken aus der gemeinsamen Mark für 6 Jahre zum Buchweizenanbau aufgebracht.“
Der Bauernvogt Olding wurde mit der Durchführung des Projektes beauftragt. Er maß 30 Parzellen mit einer Größe von je 150 x 10 Schritt für die Verpachtung ab. An Pacht mußten hierfür jährlich zwischen 4 und 7 Rth. gezahlt werden. Möglicherweise hat sich das Pachtgeld nach der Anzahl der schulpflichtigen Kinder des Pächters gerichtet.

Das erste Schulhaus wurde in der Ortsmitte, auf dem heutigen Hausgrundstück der Familie Anton Drees, von dem Zimmermann Heinrich Janzen errichtet. Der Fußboden war, wie damals üblich, ein Lehmfußboden. Die Größe des Gebäudes wird mit 32 x 24 Fuß angegeben. Das Dach war mit Hohlziegeln, die in Docken verlegt wurden, gedeckt. Ein Fenster, acht Schulbänke und 25 Sitzbänke wurden als notwendig erachtet. Im Jahre 1829 konnte erstmals in dem Schulgebäude in Liener unterrichtet werden. Es fehlten noch Kleinigkeiten, wie das Fenster und die Ausfüllung der Fächer mit Steinen. Nach und nach sollten die Fächer mit 600 Steinen vermauert werden. Sie wurden deshalb vorläufig mit Stroh ausgefüllt. Von den Kindern wurden dieRitzen und Fugen abgedichtet. 4 Schreibtische und Sitzbänke waren 1830 vorhanden. Die restlichen 25 Bänke und Tische sollten im nächsten Jahr geliefert werden. Geheizt wurde mit einem Feuer mitten im Schulraum. Das Heizmaterial lieferten die Einwohner aus Liener im wöchentlichen Wechsel.

1897 war die Schule mit45 Kindern völlig überfüllt.Vom Zeller Ww. Theo Anton Olding wurde auf dem Kamp ein größeres Grundstück erworben. Hierauf wurde um 1900 die neue Schule in Massivbauweise mit Lehrerwohnung und Stallungen errichtet. Die erforderlichen Ziegelsteine wurden von den Bauern aus Liener von der Ziegelei Esterwegen geholt. Der Lehrer bewirtschaftete bis 1930 einen großen Garten und einige Äcker. An Vieh hielt er eine Kuh, einige Schweine und mehrere Hühner.

1912 wurde wegen zunehmenderSchülerzahlen ein zweiter Klassenraum mit Glockenturm angebaut. Die 1711 in Amsterdam gegossene Glocke erhielt damit einen würdigen Platz. Es wurde dreimal täglich zum Angelus geläutet. An den Tagen vor der Beerdigung eines Verstorbenen wurde vormittags von 11 bis 12 Uhr geläutet, um den Toten zu ehren. Bis 1912 hatte die Glocke auf dem Brink zwischen zwei Eichenbäumen gehangen. In den großen Klassenräumen befand sich je ein großer Ofen, der mit Torf geheiztwurde. Der Torf wurde aus einem schuleigenen Torfpand(Grundstück) inder Auener Dose gestochen. Das Torfstechen und Trocknen wurde um die Hälfte vergeben. Der Torfgräber erhielt die Hälfte, die andere Hälfte bekam die Schule.

Das Abladen des Torfes bei der Schule besorgten die großen Schuljungen, die ihn auch in Torfkästen in die Schule bringen mußten. Bei regnerischem Wetter durften die Kinder, die einen langen Schulweg hatten, ihre Strümpfe und Socken am Ofen trocknen. Kinder, die in der Nähe der Schule wohnten, liefen zum Frühstück nach Hause. Es gab Buchweizenpfannkuchen oder auch Bratkartoffeln, Brei oder Wurstebrot. Die anderen Kinder hatten ein Pausenbrot dabei und verbrachten ihre Frühstückspause auf dem Spielplatz.
Der Spielplatz bei der neuen Schule reichte in den ersten Jahren bis an die Lindenbäume; 1928 wurde er erweitert.
Zwei Gruppenräume wurden 1961 angebaut. Neun Jahre später, am 1.8.1970, wurde die Schule in Liener und in den anderen Bauerschaften der Gemeinde Lindern aufgelöst.

Hauptlehrer an unserer Schule:

Um 1715 Eilardus Bußmann, um 1732 Hermann Grothe, Hermann Remmers vor 1748, um 1771 Georg Lukas Lüken, um 1817 Joh. Heinrich Einhaus, 1820 - 1865 Gerhard Hermann Bruns, 1865 - 1893 Heinrich Kohnen, 1893 - 1925Heinrich Klatte,

1925 - 1926 Joseph Gibbemeier, 1926 - 1960 Franz Ehrenborg, 1960 - 1970 Hubert Krause.

2. Lehrer waren nach 1912:

Möhlenkamp, Koopmann, Josepha Siemer, Bernhardine Middelbeck, Maria Beckermann, Johanna Böckmann, Hedwig Hillmann, Felicia Burchert, Franz Ehrenborg, Josef Stukenborg 1925, Anton Vormoor, Bernhard Thomann, Hubert Krause, Peter Maisel 1963, Clemens Themann 1965 - 1970.

Zur Vertretung waren an der Schule:

Utfeld, Meyer, Josef Sommer, Rudolf Westendorf, Maria Schlarmann, Köstermenke.

Alle Kinder aus der Gemeinde müssen seit 1970 die Schule in Lindern besuchen. Ab 1976 wurden in Liener noch einmal einige ausgelagerte Schulklassen aus Lindern untergebracht. Danach wurde sie einige Jahre als DRK-Lager und Näherei genutzt.

1990 standen die Räume leer. Die Lehrerwohnung im Erdgeschoß und auch die Oberwohnung waren von der Gemeinde vermietet oder wurden für die Unterbringung von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen genutzt. Der Dachstuhl auf dem Anbau (über dem rechten Klassenraum) und die Holzkonstruktion des Glockenturmes waren in einem schlechten baulichen Zustand. Von der Gemeinde wurde schon über einen

Abbruch dieses Gebäudeteiles beraten. Dies führte zu einer lebhaften Diskussion in Liener. Einhellig war man der Meinung, daß ein Abbruch des historischen und das Ortsbild prägenden Gebäudes nicht erfolgen dürfe.

Am 26.03.1990 fand eine Dorfversammlung statt, in der ein aus fünf Personen bestehendes Gremium zur Erhaltung des Gebäudes gewählt wurde. Dem Gremium gehörten Bernd Remmers, Josef Gäbken, Wilhelmine Bruns, Ida Bußmann und Cornelia Thoben an. Die Gemeinde stimmte einer Renovierung des Schulgebäudes durch das Dorf zu und übernahm die Materialkosten. In vielen Arbeitsstunden wurde die Arbeit einschließlich der Erneuerung des Glockenturmes von freiwilligen Helfern aus dem Dorf ausgeführt. Für die Glocke wurde ein elektrischer Antrieb angeschafft. Seitdem läutet die Glocke täglich um 8, 12 und 18 Uhr, wie früher, zum Gebet. An den Tagen, an denen ein Verstorbener über der Erde steht, wird heute zu Ehren des Toten von 11.30 bis 12.00 Uhr geläutet. Auf Antrag des zwischenzeitlich gegründeten Dorfvereins „Dorfgemeinschaft Liener e.V.“ wurden dem Dorf Liener die Schulräumlichkeiten zur Renovierung und Nutzung als Dorfgemeinschaftshaus überlassen.

1993 errichtete der Schützenverein Liener e.V. unmittelbar am Gebäude einen unterirdischen Schießstand mit Zugang vom rechten Klassenraum aus. Ebenfalls 1993 ließ die Gemeinde den ehemaligen Schulplatz für rd. 130.000 DM neu gestalten. Am Schulweg wurde ein Parkstreifen mit Rasengittersteinen, eine durchgehende Anpflanzung und ein abgesetzter Gehweg in roten Klinkersteinen geschaffen. Ferner wurde der Platz vor dem Gebäude gepflastert. Rechts neben dem Gebäude wurden ein Sitzbereich und eine Spielecke für Kinder angelegt. Die ehemalige Schule mit dem Dorfplatz bilden heute den Mittelpunkt des Dorfes für ein vielfältiges Dorfleben.
 
 

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